Die konjunkturelle Erholung der Wirtschaft im Kammerbezirk Aachen hat sich weiter fortgesetzt. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK), an der sich rund 330 Unternehmen mit etwa 39.000 Beschäftigten beteiligt haben.
Inzwischen bezeichnet wieder eine Mehrheit der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut – und auch die Geschäftserwartungen sind überwiegend positiv. Vor allem die Industrie erwartet in den kommenden Monaten steigende Exporterlöse.
"Wir stellen fest, dass viele Wirtschaftszweige das Tal der Krise durchschritten haben und mit Mut und Zuversicht in das neue Jahr starten", meint IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes. "Es ist jedoch zu früh, von einer neuen Boom-Phase zu sprechen, wie es der Konjunkturklimaindex vermuten lässt. Dafür war die Krise zu tiefgreifend."
Lage der Industrie verbessert
Die Geschäfte der Industriebetriebe haben sich deutlich gebessert. Jedes vierte Unternehmen meldet eine gute Geschäftslage, jeder fünfte Befragte eine schlechte wirtschaftliche Situation. Die durchschnittliche Produktionsauslastung stieg geringfügig von 72 Prozent auf 74 Prozent an, liegt damit aber immer unter dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig geben zwei von drei Befragten an, dass sich die Umsätze in den letzten sechs Monaten verringert haben. Dementsprechend meldet weiterhin eine Mehrheit von Unternehmen eine verschlechterte Ertragslage.
Dienstleister stabil auf gutem Niveau
Für die Dienstleistungsunternehmen hat sich die Situation gegenüber der zurückliegenden Umfrage leicht verschlechtert, ist aber weiterhin positiv. Fast jeder dritte Befragte bezeichnet seine gegenwärtige Geschäftslage als gut, jeder fünfte als schlecht. Auch die Ertragslage wird überwiegend positiv eingeschätzt.
Handel mit leicht rückläufigen Tendenzen
Die Geschäftssituation im Handel hat sich geringfügig verschlechtert, ist aber immer noch überwiegend positiv. 29 Prozent aller befragten Unternehmen melden eine gute Lage, 27 Prozent jedoch auch eine schlechte Geschäftssituation.
Geschäftserwartungen steigen erneut an
Die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich im Vergleich zum Herbst erneut verbessert. 29 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden Monaten mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 21 Prozent mit einer Verschlechterung der Geschäfte. Dies gilt auch für die Industrie: Aufgrund der verbesserten Geschäftslage rechnet jedes dritte Industrieunternehmen mit einer Verbesserung der Situation, während nur jedes fünfte einen Geschäftsrückgang erwartet.
Exporterwartungen positiv
Die Exportumsätze in den zurückliegenden sechs Monaten waren erneut von der Wirtschaftskrise gekennzeichnet. Nur jedes fünfte Unternehmen konnte seine Auslandsumsätze erhöhen, die Hälfte der Befragten meldet sinkende Exportumsätze. Wesentlich zuversichtlicher ist die Wirtschaft hinsichtlich der Exportumsätze in den kommenden Monaten. 37 Prozent der Befragten erwarten steigende Exporte, nur 14 Prozent sinkende.
Beschäftigungsplanungen unverändert negativ
Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten haben sich die Beschäftigungsplanungen trotz der positiven Entwicklung der Geschäftslage und der guten Aussichten nicht verbessert. Nur jeder zehnte Befragte rechnet in den kommenden Monaten mit einer Erweiterung der Belegschaft. Jeder Vierte erwartet dagegen einen Personalabbau.
"Für den Arbeitsmarkt hängt vieles davon ab, wie sich die Binnennachfrage entwickeln wird", erklärt Drewes. Bisher hat sich die Arbeitslosenquote mit einem Zuwachs von 0,5 Prozentpunkten auf 8,3 Prozent binnen eines Jahres deutlich geringer erhöht als erwartet. Damit liegt sie erfreulicherweise auch weiterhin unter der Quote von Nordrhein-Westfalen (8,6 Prozent).
"Ein zweiter wesentlicher Faktor ist die ausreichende Verfügbarkeit von Finanzmitteln für die Wirtschaft. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung zeigen: Faktisch gibt es keine Kreditklemme", so Drewes weiter. "Durch die Verschärfung der Finanzierungskonditionen gibt es jedoch eine 'gefühlte’ Kreditklemme. Umso wichtiger ist es, dass die Banken und Finanzinstitute alle zur Verfügung stehenden Mittel und Instrumentarien nutzen und auch die Unternehmen entsprechend beraten." Die Unternehmer sollten die Liquiditätsentwicklung genau beobachten und frühzeitig den Kontakt zu den Beratern der IHK Aachen suchen.