Noch am gleichen Wochenende wurde eine zweite Gruselnacht, damals noch auf Schloss Wachendorf, anberaumt: Ausverkauft! Es folgte im gleichen Herbst eine dritte und vierte Nacht mit Autorenlesungen und Live-Gespenstern. Schnell fanden neben Wachendorf weitere Gruselnächte in der ganzen Eifel statt, auch im LVR-Freilichtmuseum Kommern.
Der Publikumserfolg ist ungebrochen, wie sich auch am Samstagabend, 30. Oktober, zeigte. Museumschef Dr. Josef Mangold und Museumspädagoge Claus Cepok konnten vor ausverkauften Rängen, d.h. in Scheunen, einem Kelterhaus und der guten Stube von Haus Ruppenrod (Baugruppe Westerwald), die beiden Herausgeber der mittlerweile dreibändigen und über tausendseitigen Abendgrauen-Anthologie, Ralf Kramp und Manfred Lang, sowie deren prominente Autoren-Kollegen Carola Clasen, Uwe Voehl und Dr. Michael Siefener begrüßen.
Außerdem mit von der Partie war ein gutes Dutzend schaurig geschminkter und kostümierter Akteure aus den Reihen der „Gespielten Geschichte", einer museumseigenen Darstellertruppe, die im Museumsalltag Charaktere und Berufe aus vergangenen Jahrhunderten darstellen und im Gespräch mit den Museumsbesuchern überzeugend Auskunft aus der eigenen Ära geben.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag gaben die Museumsakteure draußen auf Wegen und Gassen Untote, schaurige Gesellen, Gespenster und obskure Figuren, während in den Gebäuden drinnen die Autoren aus ihren Horror- und Schauergeschichten vorlasen.
Da konnte man einer hohlwangigen und bleichen Frau begegnen, die ihren leeren Kinderwagen durch die Straßen der Baugruppe Westerwald schob und ihr verschwundenes Kind suchte . . . Nicht weniger schauderhaft ein stattlicher Herr im grünen Gehrock und mit Zylinder, der aus einer Geschichte von Charles Dickens zu stammen schien. Seine Kopfverletzungen schienen allerdings so schwer zu sein, dass er eigentlich nicht mehr so beschwerdefrei durchs Museum hätte wandeln können.
Oder der unwirklich bleich erscheinende Schmied, dessen Zuschlaghammer sich gegen das Publikum zu richten schien. Da hingen Gehenkte im Geäst, war im Haus Ruppenrod stilecht ein Leichnam auf dem „Schoof" aufgebahrt - und in einem Weidenkorb lag, unspektakulär und umso grauslicher, das Haupt eines Guillotinierten. Und zur mitternächtlichen Versammlung auf dem Westerwälder Dorfplatz zwischen Gasthaus zur Post und Schulgebäude ritt Gevatter Tod höchstpersönlich ein – natürlich mit Sense und hoch zu Ross.
Quelle: Freilichtmuseum Kommern