Im Rahmen der fünften Kommunalen Gesundheitskonferenz in der StädteRegion Aachen berichtete Hasan Alagün vom Demenz-Servicezentrum Aachen/Eifel über Demenz als Nebendiagnose im Krankenhaus.
„Unsere Gesellschaft wird älter und leider auch dementer. Nach aktuellen Schätzungen liegt der Patientenanteil an dementiell Erkrankten schon heute bei etwa 12 Prozent“; berichtet Alagün.
In der Regel sind Akutkrankenhäuser nicht oder nur unzureichend auf Patienten eingestellt, deren Nebendiagnose „Demenz“ lautet. Das hat zur Folge, dass häufig sowohl Ärzte als auch Pfleger mit den besonderen Bedürfnissen dieser Patienten überfordert sind. Dementiell Erkrankte verweigern oft Nahrung, Medikamente oder widersetzen sich der Behandlung. Manche ziehen sich intravenöse Zugänge, verirren sich in den Abteilungen, liegen in falschen Betten oder verlassen unkontrolliert das Krankenhaus. Außerdem ist bei diesem Personenkreis die Gefahr eines akuten Verwirrtheitszustandes (DELIR) fünffach höher gegenüber anderen Patienten.
Um sich in die Lage eines Demenzkranken versetzen zu können, empfiehlt Hasan Alagün folgendes Gedankenspiel: “Stellen Sie sich vor, Sie werden während eines China-Urlaubs mit vorübergehendem Gedächtnisverlust in ein Krankenhaus eingeliefert. Weil die Ärzte Ihre Sprache nicht sprechen, klammern Sie sich an einem vorbeieilenden Mediziner fest und reden immer lauter auf ihn ein. Man wird Ihnen ein Beruhigungsmittel spritzen und wenig später finden Sie sich an einem Bett fixiert in einem weiß gestrichenen Zimmer wieder.“
Die 13 Demenzzentren in Nordrhein-Westfalen appellieren deshalb an Ärzte, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, Angehörige von Demenzerkrankten stärker einzubeziehen, die hausärztliche Versorgung in den Heimen zu verbessern, spezielle Versorgungsbereiche in Krankenhäuser einzurichten, Netzwerke aufzubauen und vor allen Dingen ihre Mitarbeiter optimal zu qualifizieren.
Die Mitarbeiterfortbildung soll dazu beitragen, richtiges Verhalten gegenüber dementiell Erkrankten einzuüben. „Es geht uns nicht nur darum, dass Pflegekräfte mehr Zeit mit den Patienten verbringen. Wir wollen erreichen, dass die Kommunikationen zwischen allen Beteiligten besser wird“, so Alagün.
Ein erster Schritt könnte die Einführung eines einheitlichen Patientenbogens sein, der detailliert über die besonderen Verhaltensweisen, zu Vorerkrankungen und Gewohnheiten der Patienten Auskunft gibt. Spontan erklärten sich etliche Mitglieder der Gesundheitskonferenz bereit, an der Erstellung und Einführung eines geeigneten Bogens mitzuwirken. Darunter auch die Verantwortlichen zahlreicher Akutkrankenhäuser. Das Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen wird schon in Kürze zur ersten Sitzung dieser Gruppe einladen. Grundlage für die Diskussion wird voraussichtlich ein Patientenbogen der Alzheimer Gesellschaft sein.
Quelle: Pressestelle der StädteRegion Aachen