Der neue Carl-Alexander-Park in Baesweiler ist "nichts von der Stange", urteilt auch NRW-Städtebauminister Oliver Wittke über das Vorzeigeprojekt der Essener Landschaftsarchitekten Davids, Terfrüchte + Partner (DTP).
In Baesweiler baut die Zukunft auf Abraum der Vergangenheit. Denn mit der großen Bergehalde gab die ehemalige Zeche Carl-Alexander dem neuen Landschaftspark neben dem Namen auch den Hauptanziehungspunkt.
Dass die Umgestaltung dieser Industriefolgelandschaft Mustercharakter angenommen hat, ist vor allem das Verdienst des verantwortlichen Essener Planungsbüros DTP. Der Zuspruch der Bevölkerung für 'ihren' Carl-Alexander-Park (CAP) ist nach den ersten Monaten ungebrochen und auch die Fachwelt pilgert staunend in die Gemeinde des früheren Kohlereviers im Aachener Nordraum. Reichlich Lob gab es zudem von Seiten der Politik aus Stadt und Land.
"Unser Ziel war es, den Carl-Alexander-Park geschichtsbezogen, zukunftsweisend, städtebaulich sinnvoll und für die Bürger vielseitig nutzbar zu gestalten", blickt Bürgermeister Dr. Willi Linkens zurück.
Vom Ergebnis ist das Stadtoberhaupt begeistert: "Die Kombination der unterschiedlichen Nutzungsaspekte an diesem besonderen Ort mit seiner 80 Meter hohen Erhebung macht dabei den Reiz des Projekts aus."
Dafür haben die Landschaftsarchitekten von DTP in Arbeitsgemeinschaft mit den Hagener Architekten PASD die Haldenlandschaft für die Bürger und Besucher von Baesweiler erlebbar gemacht und zu einem Naherholungsgebiet mit angeschlossenem Bereich für Wohnbebauung sowie Technologie- und Gewerbepark umgestaltet.
Publikumsmagnet in der Region
Für die Kreativen von DTP war von Anfang an klar, dass die imposante Abraumhalde auf dem 1975 stillgelegten Zechengelände zentraler Publikumsmagnet werden würde, erläutert Büroinhaber Friedhelm Terfrüchte: "Wir haben den Hausberg Baesweiler – die ehemalige Halde mit hohen naturräumlichen Qualitäten und besonderen Erholungspotenzialen – als einen qualitätsvollen und spannenden Arbeits- und Freizeitort mit hoher Strahlekraft für die Region angesehen und so auch unsere Gesamtkonzeption daran aufgehängt."
Viel Natur, ein über drei Kilometer langer Erkundungsrundweg und ein Jugendcamp gehören ebenso zu den verwirklichten Planungen wie die zentrale Steganlage, die durch die Baumwipfel hindurch hoch auf das Bergplateau mit Aussichtsplattform und großem Panoramablick führt.
Ankerpunkt und zentraler Treffpunkt ist das architektonisch auffällige Bergfoyer am Fuße der Halde, das Gastronomie und ortsansässigen Vereinen zusätzlich Entfaltungsraum bietet.
"Stadtreparatur im besten Sinne des Wortes"
Beeindruckt zeigte sich der Hauptgeldgeber des 6,4-Millionen-Euro-Projekts, NRW-Städtebauminister Oliver Wittke, der die Realisierung des Carl-Alexander-Parks vom ersten Spatenstich Ende November 2005 an vor Ort begleitet hatte.
"Das ist nichts von der Stange", sagte er anlässlich der feierlichen Eröffnung Ende Mai. Es sei gelungen, aus dem "ungeschliffenen Diamanten ein herausragendes Projekt der Euregionale" zu machen. "Hier ist Stadtreparatur im besten Sinne des Wortes geleistet worden. Hier ist eine verbotene Stadt in der Stadt wiederbelebt worden." Natur- und Landschaftsschutz, Freizeit und Erholung, Arbeiten und Wohnen befänden sich nun im Einklang.
Ins gleiche Horn blies Hans-Dieter Collinet, Abteilungsleiter Städtebau im Wittke-Ministerium, am 31. Oktober während seiner Laudatio zur Verleihung des Nordrhein-Westfälischen LandschaftsArchitekturPreises 2008, den DTP mit dem Projekt "90 Grad – der Wupper zuwenden" gewonnen hatte.
"Ich habe gelernt, dass die baukulturellen Herausforderungen unseres mit Struktur- und demografischem Wandel kämpfenden Landes nicht nur in der Architektur von Gebäuden, sondern eher im 'StadtRaum' liegen, denn hier boten und bieten sich die größeren Gestaltungsspielräume der weitgehend schon gebauten Städte.
Hier können wir neue Akzente setzen, die das Problematische oder Mittelmäßige des Vorhandenen kompensieren und überstrahlen können. Davids-Terfrüchte ist dies nicht nur wieder einmal in der Talachse Wuppertals gelungen, sondern auch in einem durch und durch durchschnittlichem Städtchen bei Aachen, mit dem Carl-Alexander-Halden-Park in Baesweiler, der jetzt zu einer regionalen Pilgerstätte geworden ist."
Hintergrund: Grenzüberschreitender Strukturwandel
Der CAP Baesweiler ist das erste fertiggestellte Projekt der Initiative "Grünmetropole": In belgisch-niederländischen-deutscher Zusammenarbeit werden Zukunftsperspektiven für das ehemalige Bergbaugebiet zwischen Düren und dem flämischen Beringen im Sinne eines grenzüberschreitenden Strukturwandels entwickelt. Den Rahmen bildet die vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union geförderte Euregionale 2008.