Der bosnische Serbe Zdravko Marjanovic erhält den internationalen Aachener Friedenspreis 2009. Der nationale Aachener Friedenspreis geht an die Theatergruppe "Berliner Compagnie". Die Preise werden am heutigen Antikriegstag um 19 Uhr in der Aula Carolina verliehen.
Die diesjährigen Preisträger setzen sich auf sehr unterschiedliche Weise vorbildlich "von unten" für den Frieden und für eine zivile und gewaltfreie Lösung von Konflikten ein - im ehemaligen Jugoslawien für die Aussöhnung der Volksgruppen und die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen, in Deutschland für politische Aufklärung und Warnung vor Kriegsbeteiligung.
Einsatz für die Versöhnung
Zdravko Marjanovic, ein 68 Jahre alter bosnischer Serbe, setzt sich seit 16 Jahren für Frieden und Versöhnung im ehemaligen Jugoslawien ein. Schon gegen das Schüren von Hass in Vorbereitung der Balkankriege leistete er in den Medien Widerstand. 1994 gründete er in Backa Palanka die Friedensgruppe (Gesellschaft für Toleranz) in und die Zeitung "Tolerancija".
Während des Bosnienkrieges wurde sein Elternhaus niedergebrannt und er selbst mehrfach persönlich bedroht. 1996 organisierte er zusammen mit dem UNO-Vertreter in Sarajevo das erste Treffen von Muslimen und Serben in Bosnien. Als die Flüchtlingsbewegungen einsetzen, gründete er eine Vereinigung für Flüchtlinge., die er unter schwierigen Bedingungen fortsetzte, bis sie 1999 durch die Luftangriffe der NATO auf Serbien zerstört wurde. 2003 gründete Zdravko Marjanovic die "Gesellschaft serbisch-kroatischer Freundschaft" mit dem Ziel der Verständigung unter beiden Völkern. 2008 initiierte er die Gründung eines Forums "Brücke der Freundschaft" zwischen Serben, Kroaten und Bosniern.
Daß er als bosnischer Serbe gerade das Unrecht der Serben anprangert, eine öffentliche Auseinandersetzung mit Srebenica fordert und für die Auslieferung von Kriegsverbrechern nach Den Haag eintritt, bringt ihm Feindschaft ein, ohne daß er sich einschüchtern läßt.
Theater als friedenspolitische Öffentlichkeitsarbeit
1981 beginnt die Arbeit der Berliner Compagnie. Aufgestört durch die drohende Stationierung der Pershing II und der Cruise Missiles sammeln die Schauspieler Jean-Theo Jost (damals Stadttheater Wiesbaden) und Gerhard Fries (Stadttheater Kaßel) 20.000 DM und setzen eine Großanzeige unter dem Titel APPEAL FROM BERLIN TO THE PEOPLE Of THE USA in die "New York Times". Seit 1982 spielt die Berliner Compagnie Theater als Mittel friedens- und entwicklungspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. Während kommerzielle Tourneetheater so gut wie nie aufklärende politische Stücke anbieten, versucht die Berliner Compagnie als eine Art alternatives Tourneetheater, diese Lücke zu schließen. Bis heute, bis 2009, hat die Berliner Compagnie 23 Stücke entwickelt und in über 2000 Gastspielen aufgeführt.
Da die Berliner Compagnie die kritische Auseinandersetzung fördern und Diskussionen provozieren will, gehen jedem ihrer Stücke gründliche Recherchen und sorgfältige Analysen voraus.
Die Idee zu ihrem jüngsten Stück "Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" entstand im Januar 2008 in Aachen. Angeregt durch die Afghanistan-Konferenz der "Kooperation für den Frieden", dem Zusammenschluß von deutschen Friedensorganisationen und -initiativen beschäftigte sich die Schaupielertruppe intensiv mit Geschichte, aktuellem Kriegsgeschehen und Zukunftsperspektiven des geschundenen Landes.
Der Aachener Friedenspreis ist mit je 1.000 Euro dotiert. Zur Preisverleihung sind - wie in jedem Jahr - alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen. (Aachener Friedenspreis)
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen am Antikriegstag unter
http://www.aachener-friedenspreis.de/aktuell/Preisverleihung_2009_A4.pdf