Gemeinsam mit rund 70 weiteren Personen leistete Heike Pütz in zehn Nachmittagsschichten fachkundige Arbeit in einem Zwischenlager am Kölner Stadtrand. Dabei stand sie Seite an Seite mit Archivaren des Bundesarchivs, des Geheimen Staatsarchivs in Berlin, mit Dozenten und Studenten der Fachhochschule für Archivwesen in Potsdam sowie mit Studenten und Bürgern aus Köln. Sogar aus Australien war eine Archivarin für einen Hilfseinsatz eingeflogen.
Mühsame Kleinarbeit
Transportiert wurden die geborgenen Archivalien mit Lastkraftwagen von der Einsturzstelle in der Severinstraße zum Zwischenlager, um anschließend getrocknet und vorläufig erfasst diesen Einsatzort in Richtung provisorische Lagerung in verschiedenen Archiven der Region anzutreten.
Standesamtsbücher, Verwaltungsakten aus den letzten drei Jahrhunderten, aber auch Nachlässe mit den verschiedensten Materialien "rettete" Pütz während ihres Einsatzes. Dabei hatten feuchte und nasse Unterlagen absoluten Vorrang. Sie wurden zum Gefriertrocknen schnellstmöglich in Folie eingeschlagen. "Das ist eine wirksame Methode, um dem Ausbruch oder Befall von Schimmelpilz entgegenzuwirken", so Pütz. Nach dem Gefriertrocknen werden dann aufwändige Restaurierungsarbeiten durch Experten notwendig.
Die weniger beschädigten Archivalien werden vom Bauschutt gesäubert, wobei viele Akten durch den enormen Druck der Schuttmassen gestaucht und verbogen sind. Unzählige Steinchen, die in die Akten gelangt sind, haben diese mehr oder weniger stark zerlöchert, so, als habe man mit Schrotkugeln darauf geschossen. In vielen Fällen bestehen die geborgenen Papiere nur noch aus Fragmenten die, soweit überhaupt möglich, in mühsamer Kleinarbeit wieder zusammengesetzt werden müssen. Ob hier die Weiterentwicklung eines Computerprogramms, das bei der Zusammensetzung geschredderter Stasi-Akten erfolgreich eingesetzt wird, möglich ist, muss die Zukunft zeigen.
Archivalien werden an verschiedenen Orten gelagert
Nachdem die Archivalien wieder in einem lagerfähigen Zustand waren, wurden sie notdürftig mit ihren Signaturen in umfangreichen digitalen Listen erfasst. Hierdurch erhält das Stadtarchiv Köln einen groben Überblick, was gerettet wurde und gleichzeitig einen Nachweis, wo die Archivalien in den zur Verfügung gestellten Notmagazinen lagern. Dies ist besonders wichtig, da die einzelnen Archivalieneinheiten aus ihrem Zusammenhang gerissen sind und an verschiedenen Orten lagern. Eine Nutzung dieser Unterlagen durch die Forschung und die Öffentlichkeit ist daher vorerst nahezu unmöglich.
Viel Archivgut ist aber zum Glück erhalten geblieben und ein Großteil der notwendigen Arbeiten kann mit Hilfe moderner Technik geleistet werden. Doch trotz der großen Unterstützung werden die Archivare des Stadtarchivs Köln mit einem großen Puzzle aus vielen Einzelteilen zurückbleiben, und es wird eine lebenslange Aufgabe sein, die Reste des Stadtarchivs Köln zu ordnen.
"Der Einsatz hat sich gelohnt", so lautet das Fazit von Heike Pütz, "für das Stadtarchiv Köln und für mich persönlich, denn ich konnte viel über die Organisation der Notfallversorgung eines Archivs und die Arbeit mit wertvollen, beschädigten Archivalien hinzulernen. Diese Erfahrung wiegt die unbequemen Arbeitsbedingungen in Schutzkleidung und unter Staub und Schmutz vollständig auf." (Kreis Euskirchen)