Am Samstag, dem 3. Oktober 2009 startete um 14 Uhr ein ungewöhnliches Kunstevent: die KULT.TOUR 2009.
Ziel der Aktion war es fünf Bahnhöfe - allesamt Haltestellen der Euregiobahn - durch Kunst und Kultur miteinander zu verbinden. Dabei standen die Mobilität und Kunst und Kultur in der künftigen StädteRegion im Mittelpunkt des Geschehens. Vier Stunden lang wurde am Herzogenrather Eurode Bahnhof, im Eschweiler Talbahnhof, im Alsdorfer Fördermaschinenhaus, im Aachener Hauptbahnhof und am Heerlener Bahnhof non-stop kostenloses Programm geboten.
Viele Besucherinnen und Besucher machten sich an diesem Tag auf den Weg und ließen sich von der Vielfalt des Programms überraschen. Etliche nutzten die kurzen Wege mit der Euregiobahn, die fast überall ein Aussteigen direkt am Veranstaltungort ermöglichte.
Kunst in voller Lautstärke

Das Gleis 1 am Herzogenrather Eurode Bahnhof brachte die Heavy Metal Band "Fuel to fire" zum Beben. Wer Kunst sonst mit Ruhe und Beschaulichkeit verbindet, der erlebte an diesem Tag den Kontrast künstlerischen Schaffens in voller Lautstärke. Im Bahnhof arbeiteten die vier Künstler Barbara Geier, Christine Stamer, Viorel Chirea und Helga Palmisano fast schon im Akkord, um jedem Besucher ein handsigniertes "Picture to go" als Andenken mitgeben zu können. Künstler wie Besucher waren begeistert von der großen Resonanz. "Das ist richtig adrenalintreibend", bemerkt Helga Palmisano. "Ich fand die Idee total interessant, weil sie eine sehr publikumsnahe Arbeit ermöglicht. Passanten werden Modelle", ergänzt Christine Stamer.
Skurril und witzig

In Alsdorf geht es etwas leiser, aber nicht minder interessant zu. Dort wird das Publikum von dem Künstler Martin Otten im Eingangsbereich des Fördermaschinenhauses empfangen. Seine Bilder unter dem Titel "Wechselwirkungen" finden großen Anklang und lösen manche rege Diskussion mit den Besuchern aus. Im Saal bringen die Schauspieler des Theater K aus Aachen das Publikum zum Lachen und Grübeln mit ihren teilweise skurillen und witzigen aber auch hintergründigen Ideen rund ums Thema Reisen. So wird man Zeuge eines Gesprächs zweier Reisender, wovon sich einer als Menschenfresser entpuppt, der sein Gegenüber gerne fressen möchte. Zwischendurch kommen Durchsagen, dass die Bahnverbindungen rund um Alsdorf lahm gelegt sind, weil eine Springprozession alte Pilgerwege entdeckt hat und die Gleisanlage abbaut... .
Bahnhof wird zur Show-Bühne

Am Aachener Hauptbahnhof wundern sich die Passanten über jede Menge "Buchstabensalat". Rund 80 Studenten der FH Aachen/Fachbereich Gestaltung treffen die Vorbereitung für ihre "Afternoon Travel Type Performance" bei der Hunderte von Reisenden am 03. Oktober freiwillig oder auch unfreiwillig mit eingebunden wurden. Die Studenten verwandelten das Bahnhofsgebäude in eine große kunstvolle Show-Bühne, bei der so mancher Durchreisende vergaß, wann sein nächster Zug losfuhr."Wir fanden den Workshop für die Vorbereitungen total spannend, weil wir dabei viele Erfahrungen außerhalb der Pflichtveranstaltungen sammeln konnten", berichten die Studenten David Querg und Sarah Schröder. Die beiden Professoren Ilka Helmig und Karel Boonzaaijer von der FH Aachen hatten sogar im Anschluss eine "Buchstaben-Party" für die Studenten organisiert.
Sehen mit den Händen

Im Eschweiler Talbahnhof wurde bereits um 12 Uhr die Ausstellung "Between Land and Sea" vom Eschweiler Kunstverein eröffnet mit Skulpturen und Bildern von Christoph Mancke und André Paquet. Durch die frühzeitige Eröffnung hatten die Besucher die Möglichkeit, in aller Ruhe die Vorführung der sehbehinderten Künstlerin Ingeburg Aigner besuchen zu können. Sie zeigte wie Fühlbilder für Sehende und Blinde entstehen. Dabei animierte sie viele Besucher, die Bilder mit verbundenen Augen zu ertasten. Diese besonders sensitive Situation wurde von dem blinden Saxophonisten Ferry Nemeth, dem Gitaristen Christian Gluth und dem Kontrabassisten Janusch Hallema hervorragend musikalisch untermalt. Die Selbsthilfegruppe "Pro Retina" für Menschen mit Netzhautdegeneration unterstützte die Aktion mit einem Informationsstand vor Ort.
Stimmenrauschen

In Heerlen sah man viele erstaunte Gesichter von Bahnhofsbesuchern, die "Opfer von Lauschangriffen" durch die Klangkünstler Mike Kramer und William Engelen wurden. Nicht sichtbar waren Mikrophone und Aufzeichnungsgeräte versteckt, mit denen Wortfetzen der Passanten aufgezeichnet wurden, die dann anschließend wie zufällig wiedergegeben wurden. Eine ungewöhnliche Idee, die von einigen Fahrgästen gar nicht so schnell als Kunst erkannt wurde. Die eigens für die KULT.TOUR 2009 kreierte Komposition von "Signal- und Schaffnerpfiffen aus verschiedenen Ländern" hat für viel Beifall gesorgt und wird mit Sicherheit auch bei anderen Anlässen ihre Verwendung finden.
Mit Sicherheit hat die KULT.TOUR 2009 viele Menschen an neue Veranstaltungsorte und Akteure in der Region heranführen können. Ein gelungener Auftakt für die Gründung der StädteRegion, die am 21. Oktober an den Start geht. (Stadt Herzogenrath)
Schlagworte:
aachen,
alsdorf,
bahnhöfe,
eschweiler,
euregiobahn,
heerlen,
herzogenrath,
kultur,
kunst,
lokales kreis aachen,
talbahnhof